Über diesen Ort
Die Grazer Burg ist seit fast sechs Jahrhunderten Sitz der Macht in der Steiermark. Friedrich III., der spätere Heilige Römische Kaiser, begann die Residenz 1438 und prägte sie mit seinem rätselhaften Motto A.E.I.O.U., während seine Nachfolger die berühmte Doppelturmtreppe von 1499 hinzufügten, ein gotisches Meisterwerk, das oft als Symbol der Ewigkeit gelesen wird. Ab 1564 regierte Erzherzog Karl II. von diesen Räumen aus die Länder Innerösterreichs. Nach dem Anschluss im März 1938 wurde diese lange Kontinuität der Regierung einem neuen und brutalen Zweck zugeführt. Die Burg und das angrenzende Verwaltungsquartier wurden zum Nervenzentrum der NS-Herrschaft im Reichsgau Steiermark, wo Gauleiter und später Reichsstatthalter Siegfried Uiberreither Partei- und Staatsgewalt in einer Hand konzentrierte. Von hier aus verwaltete das Regime Verfolgung, Enteignung und nach 1941 die gewaltsame Germanisierung des besetzten Unterkärnten. Die glühend nationalsozialistische Studentenbewegung, die Graz zur 'Stadt der Volkserhebung' verholfen hatte, gehörte ebenfalls zu dieser Geschichte, einschließlich der öffentlichen Verbrennung von als undeutsch geltenden Büchern im Jahr 1938. Heute sind der Innenhof und seine Treppe frei zugänglich, ein ruhiger Ort, um darüber nachzudenken, wie ein altes Regierungshaus zu einem Instrument der Diktatur wurde.
Wissenswertes
- 1438 Gründungsjahr — Friedrich III. begann mit dem Bau der herzoglichen Residenz, die die Steiermark jahrhundertelang regieren sollte
- 1499 Treppe — Die berühmte Doppelturmtreppe, eine gotische 'Versöhnungstreppe', stammt aus diesem Jahr
- 1940 Reichsstatthalter — Siegfried Uiberreither, seit 1938 Gauleiter, wurde Reichsstatthalter des Reichsgau Steiermark
📍 Freiheitsplatz 5, 8010, Graz