Ehemalige Gestapo-Zentrale, Langgasse 13
Hinter der sauberen modernistischen Fassade des Kolpinghauses betrieb die Gestapo von 1938 bis 1945 ihr oberösterreichisches Hauptquartier und folterte Tausende in den darunter liegenden Zellen. Eine bescheidene Kupfertafel erinnert heute an die Opfer.
Über diesen Ort
Das Kolpinghaus an der Ecke Langgasse und Gesellenhausstraße wurde 1930 nach Entwürfen von Hans Steineder als Heim für junge katholische Gesellen fertiggestellt und gilt als eines der schönsten Bauwerke der Neuen Sachlichkeit in Österreich. Nur wenige Tage nach dem Anschluss im März 1938 wurde es beschlagnahmt und wurde die regionale Gestapo-Zentrale für Oberösterreich, später den Reichsgau Oberdonau. Politische Gegner, Priester, Juden, Roma und ausländische Zwangsarbeiter wurden in den hauseigenen Zellen verhört und gefoltert; viele wurden nach Dachau oder in das nahe gelegene Mauthausen weiterdeportiert, wo einige ermordet wurden. Franz Stangl, der spätere Kommandant von Sobibor und Treblinka, begann hier seine Karriere im Judenreferat. Am 25. April 1945 traf eine alliierte Bombe das Gebäude und tötete den Gestapo-Chef Leopold Spann und viele seiner Mitarbeiter. Nach dem Krieg wurde das Haus dem Kolpingverein zurückgegeben; heute beherbergt es ein Hotel und ein Kindertheater, und seit November 1988 erinnert eine Kupfertafel mit dem Linzer Wappen an die Opfer der Gestapo.
Wissenswertes
- 1930 Jahr — Das Kolpinghaus wurde nach Plänen des Architekten Hans Steineder fertiggestellt
- 20 km — Entfernung nach Mauthausen, dem Konzentrationslager, in das viele Gestapo-Häftlinge aus Linz gebracht wurden
- 1988 Jahr — Die Stadt Linz enthüllte die Gedenktafel fünfzig Jahre nach dem Anschluss
📍 Langgasse 13, 4020, Linz