Die gestohlenen Bankakten – Île Rousseau
Von dieser kleinen Insel in der Rhone aus kann man die beiden Genfer Hauptsitze der Schweizer Privatbank von HSBC sehen, deren Kundenakten, die 2006 und 2007 vom IT-Ingenieur Hervé Falciani kopiert wurden, 2015 zum Swiss-Leaks-Skandal wurden. Die Bank zahlte 40 Millionen Franken, um ein Genfer Geldwäscheermittlungsverfahren beizulegen, und Falciani wurde in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Über diesen Ort
Die Île Rousseau entstand 1585 als Bastei zum Schutz des Genfer Seezugangs, wurde später zu einer Werft sowie einem Quarantänelager und wurde 1834 mit der neuen Pont des Bergues verbunden und nach dem berühmtesten Sohn der Stadt benannt, dessen Bronzestatue von James Pradier hier 1835 enthüllt wurde. Seit der Renovierung im Jahr 2012 zu Rousseaus 300. Geburtstag blickt die Statue auf die Stadt, umgeben von frisch gepflanzten Pappeln und einer langen Steinbank. Von hier aus sind zwei Gebäude zu sehen: der alte Hauptsitz der Schweizer Privatbank von HSBC am Quai du Général-Guisan, wo die Brücke auf das linke Ufer trifft, und ihr aktueller Hauptsitz in der Häuserreihe am Quai des Bergues, der seit November 2013 bezogen ist. Der IT-Ingenieur Hervé Falciani kopierte die Kundendaten der Bank aus dem Zeitraum von November 2006 bis März 2007, versuchte, sie unter falschem Namen Banken in Beirut anzubieten, wurde am 22. Dezember 2008 in Genf festgenommen und floh nach Frankreich, wo die Akten als Lagarde-Liste bekannt wurden. Im Februar 2015 veröffentlichten das ICIJ und 154 Journalisten sie als Swiss Leaks: mehr als 100.000 Kunden und 20.000 Offshore-Gesellschaften. Die Genfer Staatsanwaltschaft durchsuchte die Bank am 18. Februar 2015, HSBC zahlte am 4. Juni die Rekordsumme von 40 Millionen Schweizer Franken, um das Verfahren einzustellen, und am 27. November verurteilte das Bundesstrafgericht in Bellinzona Falciani in Abwesenheit wegen qualifizierten wirtschaftlichen Nachrichtendienstes zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Für die einen ein Dieb, für die anderen ein Whistleblower, wurde er bis heute nicht an die Schweiz ausgeliefert.
Wissenswertes
- 100000 Kunden — Mehr als 100.000 Kunden der HSBC-Privatbank und 20.000 Offshore-Unternehmen tauchten in den Swiss-Leaks-Daten auf, die im Februar 2015 von 154 Journalisten veröffentlicht wurden.
- 40 Millionen Schweizer Franken — HSBC zahlte diese Rekordsumme am 4. Juni 2015, um die Genfer Geldwäsche-Ermittlungen beizulegen, die am 18. Februar 2015 mit einer Razzia eingeleitet worden waren.
- 5 Jahre Haft — Das Urteil, das das Bundesstrafgericht in Bellinzona am 27. November 2015 in Abwesenheit gegen Hervé Falciani verhängte; Spanien weigerte sich 2013 und 2018, ihn auszuliefern.