Ein Mord im Park – Müllerpark
In diesem ruhigen Park gegenüber dem imposanten Leipziger Hauptbahnhof wurde der neunzehnjährige Kamal Kilade im Oktober 2010 von einem Neonazi erstochen – ein Verbrechen, das Deutschlands Bereitschaft auf die Probe stellte, rassistischen Mord beim Namen zu nennen.
Über diesen Ort
Der Bürgermeister-Müller-Park liegt im langen Schatten des Hauptbahnhofs, nach Grundfläche Europas größter Kopfbahnhof – ein Denkmal für Handel und Bewegung. Doch dieser kleine Grünstreifen trägt eine Last, die weit über seine Größe hinausgeht. In der Nacht zum 23. Oktober 2010 wurde Kamal Kilade, ein 19-jähriger Iraker, der in Leipzig lebte, hier von zwei Neonazis angegriffen, die ihn mit Pfefferspray und Schlägen in die Enge trieben, bevor sie ihm in den Bauch stachen. Er starb. Polizei und Staatsanwaltschaft sahen zunächst kein rassistisches Motiv, obwohl der Haupttäter ein Hakenkreuz-Tattoo trug, und erhoben Anklage wegen Totschlags. Es bedurfte anhaltenden öffentlichen Drucks, um die volle Härte des Gesetzes anzuwenden: 2011 verurteilte das Landgericht Leipzig den Täter wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu dreizehn Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung, wobei das Gericht unverblümt feststellte, dass er Kamal nicht als Mensch gesehen habe, sondern als Ausländer, dessen Leben wertlos sei. Ein Gedenkstein in diesem Park trägt Kamals Namen. Er wurde 2016 und erneut 2017 von Vandalen schwer beschädigt und beide Male durch Spenden aus der Bevölkerung restauriert.
Wissenswertes
- 19 Jahre alt — Das Alter von Kamal Kilade, als er in der Nacht zum 23. Oktober 2010 in diesem Park ermordet wurde.
- 13 Jahre — Die gegen den Haupttäter verhängte Haftstrafe, der 2011 vor dem Landgericht Leipzig wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen verurteilt wurde, plus anschließende Sicherungsverwahrung.
- 2012 Jahr — Der Bundesgerichtshof bestätigte das Mordurteil in der Revision und räumte damit jegliche rechtlichen Zweifel an einer rassistischen Motivation der Tat aus.