Über diesen Ort
Die Viscardigasse ist eine kurze, kopfsteingepflasterte Fußgängerzone, kaum fünfzig Meter lang, offiziell benannt nach dem Schweizer Barockarchitekten Giovanni Antonio Viscardi. Während der NS-Jahre erhielt sie einen ganz anderen Namen: Drückebergergasse. Nachdem das Regime die nahegelegene Feldherrnhalle an der Residenzstraße in einen Schrein für die 1923 getöteten Putschisten verwandelt hatte, wachte dort Tag und Nacht eine SS-Ehrenwache, und jeder Passant wurde erwartet, den Arm zum Hitlergruß zu heben. Viele Münchner fanden einen stillen Ausweg. Anstatt zu salutieren, duckten sie sich in diese kleine Seitenstraße und umgingen so das Denkmal und seine Wachen gänzlich. Die Geste war winzig, leicht als bloßer Abkürzer abgetan, doch tausendfach wiederholt wurde sie zu einem der aussagekräftigsten Akte des alltäglichen Widerstands der Stadt. 1995 schuf der Bildhauer Bruno Wank eine Bronzespur in das Pflaster hier, eine dünne, S-förmige Linie aus Metallwürfeln, die den Weg markiert, den die Drückeberger nahmen. Poliert von jahrzehntelangen Schritten, leuchtet sie nun unter den Füßen in einem sanften Goldton.
Wissenswertes
- 1995 Jahr — Bruno Wank setzte den Bronzepfad mit dem Titel 'Argumente' in das Wegpflaster.
- 50 Meter — Die gesamte Länge der Gasse, eine der kürzesten Straßen Münchens
- 30 Zentimeter — Die Breite der S-förmigen Bronzeline, die den Weg der Ablehnung nachzeichnet
📍 Viscardigasse, 80333, München