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Die Zellen des Henkers – Lochgefängnisse

Unter dem Alten Rathaus hielten einst fünfzehn Steinzellen, nicht größer als ein Kleiderschrank, Nürnbergs Angeklagte in kompletter Dunkelheit gefangen, wo der akribisch genaue Scharfrichter der Stadt seine Arbeit vor dem Schafott begann.

Über diesen Ort

39 Jahre lang, von 1578 bis 1617, diente Franz Schmidt als Nürnbergs Scharfrichter, und sein außergewöhnliches Tagebuch machte den gefürchtetsten Beruf der Stadt zu einem Archiv-Meisterwerk. Unter dem Alten Rathaus, in den Lochgefängnissen, warteten Gefangene in etwa zwei mal zwei Meter großen, vom Licht vollkommen abgeschirmten Zellen auf ihre Befragung. Der Komplex umfasste eine Folterkammer, die die Wachen „Kapelle“ nannten. Schmidts Rolle rückte ihn ins Zentrum dieses Systems: Die gerichtlich angeordnete Befragung war die rechtliche Domäne des Scharfrichters. Im Laufe seiner Karriere verzeichnete er 361 Hinrichtungen und 345 geringere Strafen, setzte sich für humanere Strafmaße ein und behandelte neben seinen offiziellen Pflichten als Heiler geschätzte 15.000 Patienten. Im Jahr 1624 erklärte ihn Kaiser Ferdinand II. formell zu einem ehrbaren Mann und hob damit das soziale Stigma auf, das Scharfrichter über Generationen hinweg geprägt hatte.

Wissenswertes

  • 361 Hinrichtungen — Persönlich von Franz Schmidt in seinem akribischen Tagebuch über 39 Jahre als Nürnbergs Scharfrichter aufgezeichnet.
  • 15 Zellen — Die Lochgefängnisse hielten Gefangene in fünfzehn etwa 2x2 Meter großen Zellen gefangen, die in völliger Dunkelheit unter dem Straßenniveau lagen.
  • 15000 behandelte Patienten — Neben seinen Pflichten als Henker praktizierte Franz Schmidt auch als Heiler und hat Schätzungen zufolge etwa 15.000 Patienten behandelt.

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