Leipzig · DE
True Crime Leipzig
Stasi-Spione, gefälschte Vermögen und eine öffentliche Hinrichtung
Worum geht's bei diesem Spaziergang?
Leipzig trägt seine Schönheit wie eine Tarnung. Unter den aufragenden gotischen Kirchturmspitzen, den eleganten Barockfassaden und dem baumgesäumten Ring, der die Altstadt umschließt, liegt eine Stadt, die von Geheimnissen, Verbrechen und Momenten atemberaubenden Muts geprägt ist. Von einem fälschenden Bürgermeister, der einundvierzig Jahre lang ohne Urteil eingesperrt war, über die Geheimpolizei, die täglich tausend Briefe mit Wasserdampf öffnete und Gläser mit dem Körpergeruch von Menschen für ihre Spürhunde aufbewahrte — bis hin zu einer öffentlichen Hinrichtung auf dem Hauptplatz, die eine ganze Stadt in Erstarren versetzte — Leipzigs Wahrzeichen haben all das miterlebt. Dieser Spaziergang spürt den Verbrechen nach, die mitten in der kompakten Altstadt offen zutage liegen, und verbindet einige der ikonischsten Adressen der Stadt mit den Fällen, die ihre Spuren hinterlassen haben.
Was du sehen wirst
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1
Ein Mord im Park – Müllerpark
Park
In diesem ruhigen Park gegenüber dem imposanten Leipziger Hauptbahnhof wurde der neunzehnjährige Kamal Kilade im Oktober 2010 von einem Neonazi erstochen – ein Verbrechen, das Deutschlands Bereitschaft auf die Probe stellte, rassistischen Mord beim Namen zu nennen.
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2
Der fälschende Bürgermeister – Romanushaus
Historisches Gebäude
Leipzigs schönstes Barockpalais wurde mit gefälschten städtischen Schuldscheinen finanziert: Bürgermeister Franz Conrad Romanus wurde 1705 in seinem eigenen Gebäude verhaftet und verbrachte 41 Jahre in sächsischen Festungen, ohne jemals ein Urteil zu erhalten.
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3
Augen überall – Runde Ecke
Museum
Hinter dieser unscheinbaren Gründerzeitfassade betrieb die Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung eine der intensivsten Überwachungsmaschinerien Ostdeutschlands: 2.440 hauptamtliche Mitarbeiter und rund 10.000 Inoffizielle Mitarbeiter beobachteten jeden Winkel der Stadt.
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4
Der Sohn Gottes zertrümmert Fenster - Thomaskirche
Kirche
In der Neujahrsnacht 2019–2020 zertrümmerte ein Mann fünfundzwanzig Fenster von Bachs berühmter Leipziger Kirche mit Pflastersteinen, darunter vier unersetzliche Buntglasfenster aus dem 19. Jahrhundert. Der Angreifer ging Stunden später ruhig in eine Polizeiwache und sagte den Beamten, die Kirche verstecke Dokumente, die bewiesen, dass er der Sohn Gottes sei.
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5
Die letzte öffentliche Hinrichtung – Markt
Platz
Am 27. August 1824 wurde Johann Christian Woyzeck genau auf diesem Platz vor mehreren Tausend Zuschauern mit dem Schwert geköpft, was die erste öffentliche Hinrichtung in Leipzig seit dreißig Jahren und zugleich die allerletzte war.
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6
Der Mitternachtscoup – Mädler-Passage
Historische Passage
In den frühen Morgenstunden des 20. April 2021 fuhren drei maskierte Täter mit einem gestohlenen Auto direkt durch diese Jugendstil-Passage, räumten in weniger als drei Minuten die Vitrinen eines Juweliers leer und entkamen mit Uhren im Wert von über einer Million Euro, noch bevor die Polizei alarmiert worden war.
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7
Ausschreitungen auf dem Platz der Revolution – Augustusplatz
Platz
Leipzigs prächtigster Platz, flankiert vom Gewandhaus und der Oper, war im November 2020 der Brennpunkt von Deutschlands polarisierendster Anti-Lockdown-Demonstration. Rund 20.000 Menschen versammelten sich hier, missachteten die Maskenpflicht, durchbrachen eine Polizeikette und zogen dann genau über den Ring, den die Montagsdemonstranten von 1989 berühmt gemacht hatten.
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8
Die Niederschlagung, die nie stattfand – Nikolaikirche
Kirche
In der Nacht des 9. Oktober 1989 füllten über 70.000 Leipziger diesen Kirchhof und die umliegenden Straßen, während Tausende bewaffnete Polizisten, Soldaten und Betriebskampfgruppen in der ganzen Stadt bereitstanden. Der Befehl zum Vormarsch wurde nie gegeben, und die Niederschlagung, die das Regime bis ins kleinste Detail vorbereitet hatte, fand schlichtweg nicht statt.
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